And the winners are… LusOFest Kurzfilmwettbewerb 2026

Deutsch

Auch dieses Jahr 2026 wurden beim LusOFest wieder zwei Gewinnerfilme gesucht. Ein Preis wurde von der dreiköpfigen Jury bestehend aus Tine Nowak (MfK, Kulturkapital, Leben X.0), Daniel Brettschneider (Kino Kulinarisch, Westside Kino) und Subin Nijhawan (New Generations) vergeben, der andere wurde durch Votings des Publikums bei den jeweiligen Sessions ermittelt. Gefunden wurden dieses Jahr allerdings sogar drei ausgezeichnete Kurzfilme. Die Publikumswertungen der beiden beliebtesten Kurzfilme waren so eng beieinander, dass wir beschlossen haben, dieses Jahr zwei Siegerfilme zu küren. Alle Details, sowie die weiteren lobenden Erwähnungen des LusOFest 2026 findet ihr hier in diesem Beitrag.

Die Gewinner des Publikumspreises 2026 🏆

THE COLOURS OF GRIEF (As Cores do Luto)

Mariana Lima Mateus, Dokumentation, Portugal 2024, 20’

Die Dokumentation THE COLOURS OF GRIEF begleitet Noémi, die nach vielen Jahren der Abwesenheit erstmals in ihr Heimatdorf Escarigo in Zentralportugal zurückkehrt. Das einstmals lebendige Dorf ist heute fast menschenleer. Wir begleiten die Protagonistin beim Schwelgen in Erinnerung, der Begegnung mit alten Freunden und bei ihrer Trauerarbeit. Der Film wurde mit einer zurückhaltenden Kamera und in langen Einstellungen von Mariana Lima Mateus gefilmt und fängt die Atmosphäre sensibel ein. Die junge Filmemacherin zog 2022 nach London, wo sie ihren Master in Dokumentarfilm an der University of the Arts London machte. THE COLOURS OF GRIEF entstand in dieser Zeit und ist ihr erster dokumentarischer Spielfilm. Der Film thematisiert das Thema Landflucht aus den kleinen portugiesischen Gemeinden im Landesinneren aus einer sehr persönlichen Atmosphäre. Der Film erhielt außerdem noch eine besondere Erwähnung des Xerox Exotique Teams, das ihn als „slow burner“ bezeichnete und seine überraschenden Wendungen hervorhob.

The Colours of Grief Trailer
marianalimateus.com
@marianalimateus


ECHOES OF SAUDADE (Echoes da Saudade)

Marius Böttcher, Dokumentation, Deutschland/Portugal 2025, 22’

Die Dokumentation ECHOES OF SAUDADE portraitiert eine alteingesessene Taverne in der Alfama und ihre Betreiberin. Die kleine Kneipe ist eine der letzten Bastionen des „Fado Vadio“, des Straßenfados. Der Film fängt ein sehr ursprüngliches Stück des im Wandel befindlichen Lissabons ein und streift dabei auch die aktuell in der portugiesischen Hauptstadt allgegenwärtigen Themen Massentourismus und Gentrifizierung. Regisseur Marius Böttcher ist freischaffender Filmemacher und lebt in Leipzig. Seine Dokumentationen drehen sich überwiegend um kulturelle und historische Themen und führten ihn in unterschiedliche Länder auf der ganzen Welt. Neben seiner Kamera- und Regiearbeit schafft er auch Medieninstallationen für Museen und Theaterproduktionen.

mariusboettcher.com
@unda.docs

Gewinner des Jurypreises 2026 🏆

TWO SHIPS

Mckinley Benson, Animation, USA/Portugal 2024, 6’

TWO SHIPS erzählt die Geschichte eines Paares, das in unterschiedlichen Tagesabläufen und Zeitrhythmen lebt und nur wenige gemeinsame Momente in Zweisamkeit verbringen kann. Der amerikanische Regisseur McKinley Benson studierte am College of Art and Design in Savannah, Georgia, und gründete 2017 das unabhängige Produktionsstudio Room 330. Der Animationsfilm wurde von einem portugiesischen Team von Zeichner- und Illustrator*innen vom Studio Cola Animation umgesetzt. Die Jury lobte, dass in einem zurückhaltenden, minimalistischen Zeichenstil eine facettenreiche Geschichte über Liebe und Lebensroutinen erzählt wurde. „Die gelungenen und mit Bedacht gewählten visuellen und erzählerischen Stilmittel verleihen dieser Geschichte eine besondere Authentizität.“

Trailer Two Ships
@twoshipsmovie
@mcknley
@cola_anima

Lobende Erwähnungen 2026

AURORA

Bruna Lessa, Fiktion, Brasilien 2026, 19’ – Publikumsliebling Kurzfilmtag

AURORA ist eine bewegend inszenierte Geschichte über eine Schülerin, die die Abwesenheit ihres Vaters verarbeitet. Sie wähnt ihn als Minenarbeiter auf einem Asteroiden. Der Film lief bei uns in der terminlich vorgezogenen Session am 21. Dezember 2025, dem Kurzfilmtag, und war der Publikumsliebling dieser Session. Bruna Lessa ist Filmemacherin und bildende Künstlerin. Sie arbeitet als Drehbuchautorin, Regisseurin, Cutterin und Produzentin und ist Mitgründerin des unabhängigen Produktionsstudios Bruta Floor Filmes in São Paulo.

Trailer Aurora
@brunalessafilme
@brutaflorfilmes

OFFENBACH HAT VIEL ZU BIETEN

Manuel Francescon, Deutschland 2009, 4’ – Publikumsliebling Lights, Camera, Activism, besondere Erwähnung 57Nord

Der humorvolle Kurzfilm OFFENBACH HAT VIEL ZU BIETEN stammt vom Schneidetisch des Super-8-Filmers Manuel Francescon, der Teil des Offenbacher Underground-Filmkollektivs Freaxxx war. Er hat in den 15 Jahren seines Bestehens nichts von seinem Charme verloren. Der satirische Film wirft einen augenzwinkernden Blick auf Offenbach, und sorgte für eine gelöste Stimmung zum Auftakt des Dokublocks. Er wurde vom Publikum zum beliebtesten Film der Lights, Camera, Activision Session am Freitagabend gewählt.

manuelfrancescon.de
@manuelfrancescon

THE SUNSET SPECIAL 2

Nicolas Gebbe, Deutschland 2024, 19’ – Publikumsliebling Experimentalfilm

Der animierte Kurzfilm THE SUNSET SPECIAL 2 ist Teil eines interdisziplinären, audiovisuellen Multimediaprojekts vom Frankfurter Nicolas Gebbe. Der Film arbeitet mit Found Footage, Videospielästhetik, Verzerrungen und Glitches. Viel bizarrer als die Form, in der sich der Film präsentiert, ist jedoch die real existierende Welt des Massentourismus, die er thematisiert. Der Film lief auf diversen internationalen Festivals. Wir freuen uns sehr, dass wir ihn zeigen durften. Momentan arbeitet Nicolas Gebbe am dritten Teil der Serie.

thesunsetspecial.de
@thesunsetspecial
@nicolasgebbe

GOLDEN SHOWER

Stella Carneiro, Fiktion, Portugal 2025, 12’ – Publikumsliebling Lange Kurzfilmnacht, besondere Erwähnung

Sheila, eine junge Brasilianerin, bekommt einen unerwarteten erotischen Vorschlag von ihrem portugiesischen Freund. GOLDEN SHOWER von Stella Carneiro beschäftigt sich mit Frauenfeindlichkeit in der heutigen Gesellschaft, will aber kein revolutionärer Film sein. „Es ist einfach ein alberner Film über Sex.“ (Stella Carneiro.) Der Film war der Publikumsliebling unter den fiktionalen Kurzfilmen dieses Jahres. Allerdings gab es auch gemischte, teils kontroverse Wahrnehmungen des Filmes innerhalb des Teams und der Jury. Wie mit Nicht-Konsens und falsch-stereotypen BDSM-Praxen gearbeitet wurde, fanden die Jury problematisch und hätte sich aus feministischer Perspektive ein zeitgemäßeres Ende gewünscht. Das LusOFest (Marc) lobt hingegen die überzeugende Darstellung des jungen Ensembles und möchte anmerken, dass es die subtil miterzählte interkulturelle brasilianisch-portugiesische Ebene der Paarbeziehung zu schätzen weiß. In Carneiros Film scheinen Männer vom portugiesischen Mars und Frauen von der brasilianischen Venus zu sein. Zwar spricht man die gleiche Sprache, missversteht sich aber dennoch.

Trailer Golden Shower

@stella.carneiro

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